INITIWISEKI-Strategie

Umsetzung und Wirkungsnachweis

Stimmt die Zahl, die ich gerade auf Folie drei geschrieben habe? Und wo steht sie im Original?

95, 85 oder 60 Prozent? Die Zahlen zum Scheitern von KI-Projekten im Faktencheck

Die meistzitierten Scheiter-Quoten messen drei verschiedene Dinge, zwei davon sagen nicht, was ihnen zugeschrieben wird — für den deutschen Markt gibt es sauberere Belege aus einer Behördenerhebung.

· 13 Min. Lesezeit · Für Beratung

Auf Folie drei steht eine Zahl. Meistens ist es die 95, manchmal die 85, gelegentlich die 60. Sie soll begründen, warum ein Kunde strukturiert vorgehen sollte, statt einfach anzufangen. Und sie funktioniert: Der Satz „Die meisten KI-Projekte scheitern“ beendet jede Diskussion über Sorgfalt.

Er beendet sie allerdings nur so lange, bis jemand nachfragt. Wer eine Zahl nennt, deren Herkunft er nicht kennt, verliert in diesem Moment mehr, als die Zahl ihm vorher eingebracht hat — besonders bei Zuhörern, die ihre eigenen Entscheidungen vor einer Geschäftsführung begründen müssen. Dieser Beitrag sortiert die vier meistzitierten Quoten: woher sie stammen, wie sie erhoben wurden, was sie tatsächlich messen und welche davon in eine Kundenunterlage gehört.

Vorweg das Ergebnis: Zwei der vier Zahlen sagen nicht, was ihnen zugeschrieben wird. Eine ist eine Erwartung und keine Messung. Und die belastbarsten Angaben für den deutschen Markt stammen aus keiner dieser vier Quellen, sondern aus einer Behördenerhebung, die kaum jemand zitiert.

Die 95 Prozent: gemessen wurde etwas anderes als Scheitern

Die Zahl stammt aus dem Bericht „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025“ von MIT Project NANDA, veröffentlicht im Juli 2025. Sie ist die meistzitierte Zahl des Jahres und wurde auch im deutschsprachigen Raum breit aufgegriffen.

95 %
der untersuchten Pilotprojekte für generative KI zeigten keinen messbaren Ergebnisbeitrag in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung — betrachtet über einen Horizont von rund sechs Monaten nach der Einführung.MIT Project NANDA, „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025“ (Juli 2025), Projektseite MIT Media Lab · Stand: Bericht Juli 2025, abgerufen 27.08.2026

Entscheidend ist das Messkriterium. Der Bericht stellt nicht fest, dass Projekte abgebrochen wurden, dass Budgets verloren gingen oder dass die Technik nicht funktioniert hat. Er stellt fest, dass sich innerhalb eines halben Jahres kein Effekt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung nachweisen ließ. Ein Pilot, der läuft, angenommen wird und noch keine Kostenstelle bewegt hat, zählt in dieser Rechnung zu den 95 Prozent.

P&L-Effekt
Eine Wirkung, die sich in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung niederschlägt — als geringere Kosten oder höherer Umsatz. Ein Anwendungsfall kann funktionieren, im Betrieb angenommen werden und trotzdem keinen P&L-Effekt zeigen: weil die eingesparte Zeit nicht auf eine Kostenstelle durchschlägt, weil die Wirkung erst im Folgejahr anfällt oder weil der Messzeitraum zu kurz gewählt ist.

Dazu kommt die Stichprobe: 52 Interviews mit Führungskräften, 153 Fragebogen-Antworten und die Auswertung von rund 300 öffentlich dokumentierten Einführungen. Der Bericht ist nicht peer-reviewed, und die 300 Fälle sind kein Zufallssample, sondern das, was öffentlich auffindbar war. Kritik an der Methodik gab es unmittelbar nach dem Erscheinen.

Die Erhebung ist außerdem US-geprägt. Eine methodisch vergleichbare Untersuchung für den deutschsprachigen Raum ist uns nicht bekannt. Wer die 95 Prozent auf den deutschen Mittelstand überträgt, überträgt eine Zahl, die dort nie erhoben wurde. Zitierfähig bleibt sie als international diskutierter Befund — mit Herkunft, Messkriterium und Stichprobe im selben Satz.

Die 85 Prozent: eine Prognose von 2018 über fehlerhafte Ergebnisse

Diese Zahl kursiert im deutschsprachigen Netz meist in einer Form wie: „Laut Gartner scheitern 85 Prozent der KI-Projekte an der Datenqualität.“ Drei Bestandteile dieses Satzes treffen nicht zu.

Die ursprüngliche Prognose stammt aus dem Jahr 2018 und bezog sich auf den Zeitraum bis 2022. Sie besagte, dass 85 Prozent der KI-Projekte fehlerhafte Ergebnisse liefern würden — durch Verzerrungen in den Daten, unpassend gewählte Algorithmen oder Fehler des Umsetzungsteams. Also nicht „scheitern“, sondern „liefern falsche Ergebnisse“. Nicht die Datenqualität allein, sondern drei Ursachengruppen. Und nicht heute, sondern ein Prognosezeitraum, der seit Jahren abgelaufen ist.

Die 60 Prozent: Gartner erwartet, Gartner misst nicht

Gartner erwartet, dass Organisationen bis Ende 2026 60 Prozent der KI-Projekte aufgeben, die nicht auf aufbereiteten, KI-tauglichen Daten aufsetzen. Grundlage ist eine Befragung von 248 Verantwortlichen für Datenmanagement aus dem dritten Quartal 2024; 63 Prozent der Organisationen hatten danach keine oder unklare Datenmanagement-Praktiken für KI.

Der Satzbau ist hier der ganze Unterschied. Gartner misst nicht, wie viele Projekte aufgegeben wurden, sondern sagt vorher, wie viele aufgegeben werden. Wer die Zahl mit „laut Gartner scheitern 60 Prozent“ einleitet, macht aus einer Erwartung ein Ergebnis. Korrekt ist „Gartner erwartet, dass …“ — und dazu die Einschränkung „… die nicht auf aufbereiteten Daten aufsetzen“. Ohne diese Einschränkung wirkt die Zahl deutlich größer, als sie gemeint war.

Prognose
Eine Aussage über einen künftigen Zustand, abgeleitet aus Beobachtungen der Gegenwart. Sie ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weder bestätigt noch widerlegt. In Kundenunterlagen gehört deshalb vor jede Prognose ein Verb, das sie als solche kenntlich macht: erwartet, rechnet damit, geht davon aus. „Hat festgestellt“ ist etwas anderes.

Dasselbe gilt für die zweite Gartner-Zahl, die seit Mitte 2025 durch die Fachpresse läuft: Über 40 Prozent der agentischen KI-Projekte würden bis Ende 2027 eingestellt. Auch das ist eine Erwartung, und die zugehörige Pressemitteilung legt keine Stichprobe offen. Als Stimmungsbild taugt sie, als Beleg nicht.

Die 80 Prozent von RAND sind keine RAND-Zahl

Die vierte Quote trägt den besten Namen. „Über 80 Prozent der KI-Projekte scheitern, laut RAND Corporation“ liest sich nach unabhängiger Forschung mit Methodik.

Im Report steht der Satz allerdings in der Einleitung, und er lautet dort ausdrücklich: nach einigen Schätzungen scheitern mehr als 80 Prozent der KI-Projekte. „By some estimates“ ist ein Verweis auf Fremdliteratur, kein eigenes Messergebnis. RAND hat diese Quote nicht erhoben und behauptet das auch nicht — die Zuschreibung entsteht erst beim Zitieren, und sie hält sich, weil der Absendername gut aussieht.

Was RAND stattdessen belegt: fünf Ursachen, vier davon organisatorisch

Der eigentliche Beitrag des Reports ist wertvoller als die Quote davor. Grundlage sind strukturierte Interviews mit 65 Data Scientists und Ingenieuren mit mindestens fünf Jahren Erfahrung im Bau von KI- und ML-Modellen. Daraus leitet RAND fünf Grundursachen für das Scheitern ab:

  1. Das zu lösende Problem wird missverstanden oder falsch kommuniziert — das Modell optimiert auf die falsche Größe oder passt nicht in den Arbeitsablauf.
  2. Die verfügbaren Daten reichen nicht aus oder haben nicht die nötige Qualität.
  3. Das Vorgehen ist technologiegetrieben statt problemorientiert.
  4. Es wird zu wenig in die Infrastruktur für den laufenden Betrieb investiert.
  5. KI wird auf Probleme angewendet, die jenseits des heutigen Stands der Technik liegen.

Nur die fünfte Ursache ist technisch. Die anderen vier entstehen, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird. Das ist der Befund, der in eine Kundenunterlage gehört — nicht die geschätzte Quote, die im Original davorsteht.

Die deutsche Alternative: 60 Prozent in Erprobung, 6 Prozent angekommen

Für den deutschen Markt existiert eine Erhebung, die besser dokumentiert ist als jede der vier Quoten: die Befragung „KI in Unternehmen“ der Bundesnetzagentur. 808 Unternehmen wurden telefonisch befragt, Bruttostichprobe und Gewichtung sind offengelegt, der Bericht ist frei zugänglich. Erhoben wurde von Oktober bis Dezember 2024, veröffentlicht im Juli 2025 — das Alter gehört bei jeder Verwendung dazu, gerade in einem Feld, das sich schnell bewegt.

Von den Unternehmen, die KI einsetzen, waren 60 Prozent noch in der Erprobung: ausgewählte Pilotprojekte oder einzelne Prozesse. Für 33 Prozent war KI unterstützender Bestandteil mehrerer Prozesse. Für 6 Prozent war sie zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells.

6 %
der KI-nutzenden Unternehmen in Deutschland hatten KI zu einem zentralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells gemacht; 60 Prozent waren noch in der Erprobung. Erhebung Oktober bis Dezember 2024, 808 befragte Unternehmen.Bundesnetzagentur, Bericht „KI in Unternehmen: Einsatz, Ressourcen und Herausforderungen“; 808 Unternehmen, Telefonbefragung 14.10.–06.12.2024, gewichtet · Stand: Erhebung Okt.–Dez. 2024, veröffentlicht Juli 2025
Grundgesamtheit
Die Menge, auf die sich ein Prozentwert bezieht. Die 60 Prozent in Erprobung beziehen sich nicht auf alle Unternehmen in Deutschland, sondern auf die 29 Prozent, die KI überhaupt einsetzen. Ohne Angabe der Grundgesamtheit ist ein Prozentwert unbrauchbar — und in der Rückfrage angreifbar.

Dieselbe Erhebung nennt die Gründe, aus denen Unternehmen den KI-Einsatz wieder eingestellt haben: fehlende Zeit 59 Prozent, Nichterreichen der gesetzten Ziele 58 Prozent, fehlende Fachkräfte 50 Prozent. Ganz hinten stehen ausgerechnet die Gründe, die in Präsentationen am häufigsten auftauchen: fehlende Akzeptanz der Mitarbeitenden 9 Prozent, mangelnde technische Ausstattung 5 Prozent.

58 %
der Unternehmen, die den KI-Einsatz wieder eingestellt haben, nannten als Grund, dass die gesetzten Ziele nicht erreicht wurden. Nur 9 Prozent nannten fehlende Akzeptanz der Mitarbeitenden, 5 Prozent die technische Ausstattung.Bundesnetzagentur, Bericht „KI in Unternehmen: Einsatz, Ressourcen und Herausforderungen“; 808 Unternehmen, Telefonbefragung 14.10.–06.12.2024, gewichtet · Stand: Erhebung Okt.–Dez. 2024, veröffentlicht Juli 2025

Das Gegengewicht, das kaum jemand zitiert

Wer die Scheiter-Quoten zitiert, sollte die Gegenzahl aus derselben Erhebung kennen. 75 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen gaben an, ihre Erwartungen an den KI-Einsatz hätten sich erfüllt: 20 Prozent übererfüllt, 55 Prozent weitestgehend erfüllt. 18 Prozent sahen sie nur teilweise erfüllt, 4 Prozent fast überhaupt nicht.

75 %
der KI-nutzenden Unternehmen in Deutschland sahen ihre Erwartungen an den KI-Einsatz erfüllt oder übererfüllt. Es handelt sich um eine Selbsteinschätzung, nicht um eine gemessene Rendite.Bundesnetzagentur, Bericht „KI in Unternehmen: Einsatz, Ressourcen und Herausforderungen“; 808 Unternehmen, Telefonbefragung 14.10.–06.12.2024, gewichtet · Stand: Erhebung Okt.–Dez. 2024, veröffentlicht Juli 2025

Das ist dieselbe Stichprobe, dieselbe Methodik und derselbe Bericht wie die 60 Prozent in Erprobung. Wer die eine Zahl zitiert und die andere weglässt, trifft eine Auswahl — und muss damit rechnen, dass sein Gegenüber die Quelle aufschlägt.

Die Bitkom-Erhebung vom März 2026 zeigt dieselbe Zweiteilung an anderer Stelle. 52 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen berichten einen messbaren Beitrag zum Geschäftserfolg. Zugleich haben 33 Prozent festgestellt, dass KI zu deutlich höheren Kosten geführt hat als erwartet.

52 %
der KI-nutzenden Unternehmen ab 20 Beschäftigten berichten einen messbaren Beitrag zum Geschäftserfolg; 33 Prozent hatten deutlich höhere Kosten als erwartet. Befragung von 604 Unternehmen, KW 2 bis 6 im Jahr 2026.Bitkom e. V., Presseinformation „Digitalisierung der Wirtschaft: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI“; 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 2–6/2026 · Stand: veröffentlicht 11.03.2026

Die ehrliche Zusammenfassung lautet damit nicht „KI-Projekte scheitern“. Sie lautet: Die meisten Anwender sind zufrieden, knapp die Hälfte kann den Beitrag nicht beziffern, ein Drittel wurde von den Kosten überrascht, und der Sprung von der Erprobung in den Regelbetrieb gelingt selten. Das ist ein Auswahl- und Nachweisproblem — ein deutlich präziseres Argument als jede Untergangsquote.

Der Faktencheck in einer Tabelle

Die meistzitierten Zahlen zum Scheitern von KI-Projekten, nach Herkunft und Messgegenstand
ZahlQuelle und DatumMethodikWas tatsächlich gemessen wurdeUrteil
95 %MIT Project NANDA, Juli 202552 Interviews, 153 Fragebogen-Antworten, rund 300 öffentlich dokumentierte Einführungen; nicht peer-reviewed, kein Zufallssamplekein messbarer Effekt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung binnen rund sechs MonatenNur mit Einschränkung: als international diskutierter Befund, nie als Abbruchquote und nicht für den deutschen Markt
85 %Gartner-Prognose aus 2018, Bezugszeitraum bis 2022Prognose, keine Erhebungerwartete fehlerhafte Ergebnisse durch Datenverzerrung, unpassende Algorithmen und UmsetzungsfehlerNicht verwenden
60 %Gartner, Pressemitteilung 26.02.2025Befragung von 248 Verantwortlichen für Datenmanagement, Q3/2024Erwartung, dass Projekte ohne aufbereitete Daten bis Ende 2026 aufgegeben werdenNur mit Einschränkung: als Erwartung kennzeichnen, Datenbezug mitnennen
über 40 %Gartner, Pressemitteilung 25.06.2025keine offengelegte StichprobeErwartung, dass agentische KI-Projekte bis Ende 2027 eingestellt werdenNur mit Einschränkung: als Erwartung ohne offengelegte Grundlage
über 80 %RAND, RR-A2680-1, 2024einleitendes Fremdzitat („by some estimates“), 65 Interviews zum eigentlichen Untersuchungsgegenstandnichts — RAND hat diese Quote nicht erhobenNicht als RAND-Befund verwenden; stattdessen die fünf Ursachen zitieren
60 % / 6 %Bundesnetzagentur, veröffentlicht Juli 2025808 Unternehmen, Telefonbefragung Okt.–Dez. 2024, gewichtetVerbreitungsstand bei KI-nutzenden Unternehmen: Erprobung gegenüber GeschäftsmodellVerwendbar, immer mit Erhebungszeitraum und Grundgesamtheit
75 %Bundesnetzagentur, veröffentlicht Juli 2025dieselbe ErhebungSelbsteinschätzung, ob sich die Erwartungen erfüllt habenVerwendbar, als Selbsteinschätzung kennzeichnen
52 %Bitkom, 11.03.2026604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 2–6/2026Selbstauskunft über einen messbaren Beitrag zum GeschäftserfolgVerwendbar, als Selbstauskunft kennzeichnen

Drei Regeln für Zahlen in Kundenunterlagen

  1. Jede Zahl trägt drei Angaben: wer erhoben hat, wann erhoben wurde und wie viele befragt wurden. Passt das nicht auf die Folie, passt die Zahl nicht auf die Folie.
  2. Prognose und Messung nie im selben Satzbau. „Gartner erwartet“ ist etwas anderes als „Gartner hat festgestellt“ — und der Unterschied fällt spätestens in der Rückfrage auf.
  3. Die Grundgesamtheit gehört dazu. 60 Prozent der KI-Nutzer sind nicht 60 Prozent der Unternehmen; als Aussage über alle Unternehmen wäre derselbe Wert um ein Vielfaches falsch.

Dazu eine Beobachtung, die keine Regel ist: Die stärkste Zahl in einer Kundenunterlage ist selten eine Marktquote. Sie ist die Zahl aus dem Haus des Kunden — was ein Vorgang heute kostet, wie oft er im Jahr anfällt, was nach der Umstellung übrig bleibt. Fremde Scheiter-Quoten begründen, warum man sorgfältig auswählt. Dass sich ein bestimmter Anwendungsfall lohnt, begründen sie nicht.

Stimmt es, dass 95 Prozent der KI-Projekte scheitern?

Nein, das sagt die Quelle so nicht. Die Zahl stammt aus dem Bericht „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025“ von MIT Project NANDA (Juli 2025). Gemessen wurde, dass 95 Prozent der untersuchten Pilotprojekte für generative KI innerhalb von rund sechs Monaten keinen messbaren Effekt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung zeigten — nicht, dass sie abgebrochen wurden oder technisch gescheitert sind. Der Bericht beruht auf 52 Interviews, 153 Fragebogen-Antworten und rund 300 öffentlich dokumentierten Einführungen, ist nicht peer-reviewed und stark US-geprägt.

Woher kommt die Aussage, dass 85 Prozent der KI-Projekte an der Datenqualität scheitern?

Aus einer Gartner-Prognose von 2018 für den Zeitraum bis 2022 — und die besagte etwas anderes: dass 85 Prozent der KI-Projekte fehlerhafte Ergebnisse liefern würden, durch Verzerrungen in den Daten, unpassend gewählte Algorithmen oder Fehler des Umsetzungsteams. Weder war von Scheitern die Rede noch allein von Datenqualität, und der Prognosezeitraum ist abgelaufen. Die Zahl sollte nicht mehr verwendet werden.

Hat die RAND Corporation festgestellt, dass über 80 Prozent der KI-Projekte scheitern?

Nein. Im Report „The Root Causes of Failure for Artificial Intelligence Projects“ (RR-A2680-1, 2024) steht diese Quote als einleitende Einordnung, ausdrücklich mit der Formulierung „by some estimates“ — also als Verweis auf Fremdliteratur, nicht als eigenes Messergebnis. Erhoben hat RAND etwas anderes: fünf Grundursachen des Scheiterns auf Basis von Interviews mit 65 Data Scientists und Ingenieuren mit mindestens fünf Jahren Erfahrung. Vier der fünf Ursachen sind organisatorisch, nur eine ist technisch.

Welche Zahl zur Pilotfalle kann ich für den deutschen Markt belastbar zitieren?

Die Befragung „KI in Unternehmen“ der Bundesnetzagentur, veröffentlicht im Juli 2025 und erhoben von Oktober bis Dezember 2024 bei 808 telefonisch befragten Unternehmen. Danach waren von den KI-nutzenden Unternehmen 60 Prozent noch in der Erprobung, für 33 Prozent war KI unterstützender Bestandteil mehrerer Prozesse und für 6 Prozent zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Nennen Sie den Erhebungszeitraum immer mit — die Zahlen sind über anderthalb Jahre alt, und der Markt hat sich seitdem bewegt.

Warum unterscheiden sich die Angaben zur KI-Nutzung in Deutschland so stark?

Weil sie unterschiedliche Grundgesamtheiten und Erhebungszeitpunkte haben. Das Statistische Bundesamt weist für das Berichtsjahr 2025 26 Prozent aus (Unternehmen ab 10 Beschäftigten), die Bundesnetzagentur 29 Prozent für Ende 2024 (ab einem Beschäftigten), der Bitkom 41 Prozent für Anfang 2026 (ab 20 Beschäftigten) und das ifo Institut 54,5 Prozent für Mai 2026 (Konjunkturumfrage). Es gibt keine einzelne richtige Nutzungsquote. Jede dieser Zahlen ist nur zusammen mit Grundgesamtheit und Erhebungszeitpunkt aussagekräftig, und keine zwei davon lassen sich zu einer Zeitreihe verrechnen.

Quellen

  1. MIT Project NANDA, „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025“ (Juli 2025), Projektseite MIT Media Lab · Stand: Bericht Juli 2025, abgerufen 27.08.2026
  2. Futuriom, „Why We Don’t Believe MIT NANDA’s Weird AI Study“ (Methodenkritik) · Stand: August 2025, abgerufen 27.08.2026
  3. Gartner, Pressemitteilung „Lack of AI-Ready Data Puts AI Projects at Risk“; Direktabruf HTTP 403, Inhalt über Sekundärberichterstattung geprüft · Stand: Pressemitteilung 26.02.2025, Befragung Q3/2024
  4. Freevacy, Sekundärbericht zur Gartner-Pressemitteilung vom 26.02.2025 (Stichprobe und Prognosewert) · Stand: abgerufen 27.08.2026
  5. Gartner, Pressemitteilung „Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027“; Direktabruf HTTP 403, Inhalt über Sekundärberichterstattung geprüft · Stand: Pressemitteilung 25.06.2025
  6. ProjectManagement.com, „Why Do AI Projects Fail?“ — Einordnung und Herkunft der 85-Prozent-Prognose (Bezugszeitraum bis 2022) · Stand: abgerufen 27.08.2026
  7. Beispiel einer deutschsprachigen Seite, die die Zahl als Scheitern an der Datenqualität wiedergibt · Stand: abgerufen 27.08.2026
  8. RAND Corporation, Ryseff / De Bruhl / Newberry, „The Root Causes of Failure for Artificial Intelligence Projects and How They Can Succeed“, RR-A2680-1; Volltext nicht direkt abrufbar (HTTP 403), Angaben von der Publikationsseite · Stand: veröffentlicht 2024, abgerufen 27.08.2026
  9. Bundesnetzagentur, Bericht „KI in Unternehmen: Einsatz, Ressourcen und Herausforderungen“; 808 Unternehmen, Telefonbefragung 14.10.–06.12.2024, gewichtet · Stand: Erhebung Okt.–Dez. 2024, veröffentlicht Juli 2025
  10. Bitkom e. V., Presseinformation „Digitalisierung der Wirtschaft: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI“; 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 2–6/2026 · Stand: veröffentlicht 11.03.2026
  11. Statistisches Bundesamt (Destatis), Tabelle zur Nutzung von KI-Technologien nach Beschäftigtengrößenklassen, IKT-Erhebung · Stand: Berichtsjahr 2025, abgerufen 27.08.2026
  12. ifo Institut, „More Than Half of Companies in Germany Use Artificial Intelligence“, ifo-Konjunkturumfrage · Stand: Erhebung Mai 2026, veröffentlicht 05.06.2026